07.11.2019 
Tönnies gegen Tönnies

Schlacht um China-Expansion geht weiter

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Die epische Schlacht um Deutschlands größten Schlachtkonzern Tönnies geht in eine neue Runde. Robert Tönnies, der Neffe von Konzernlenker Clemens Tönnies, will die geplante Expansion nach China mit allen Mitteln verhindern und hat nach Informationen des manager magazins nun einen Etappensieg errungen.

Kurz vor einem für den 8. November angesetzten Gerichtstermin hat Robert Tönnies Einsicht in Unterlagen erhalten - und fühlt sich im Streit um die geplante 500 Millionen Euro teure Expansion von Deutschlands größtem Schlachtkonzern nach China bestätigt. "Aus der ersten Sichtung der Unterlagen ergibt sich ein klarer Verstoß gegen die Verpflichtung zur Einholung der Zustimmung des Beirats bei Investitionen in dieser Größenordnung", sagt er gegenüber manager magazin. Tönnies, dem die Hälfte des Konzerns gehört, sieht sich düpiert und will das Vorhaben sogar gerichtlich mit einer Klage vor dem Landgericht Bielefeld torpedieren.

Für den morgigen Freitag ist eine mündliche Verhandlung angesetzt. Den Termin will Tönnies nach der unverhofft erhaltenen Akteneinsicht nun jedoch absetzen lassen.

"Die Geschäftsleitung hat in letzter Sekunde unter dem Druck des anstehendenden Gerichtstermins die nötigen Unterlagen geliefert", begründet Robert Tönnies das Vorgehen. "Es ist bedauerlich, dass die Geschäftsleitung mein mir vertraglich zustehendes Auskunftsrecht erst nach Einleitung von Rechtsmitteln erfüllt. Das zeigt wieder einmal, dass mein Onkel den Einigungsvertrag mit Füßen tritt."

Die Tönnies Geschäftsführung sieht das indes anders. "Wenn Robert Tönnies behauptet, erst jetzt die geforderten Informationen über unser geplantes China Joint Venture erhalten zu haben, ist das unzutreffend", sagt Daniel Nottbrock, Geschäftsführer der Tönnies Holding laut einer Pressemitteilung.

Die Geschäftsführung habe ihm und dem gesamten Beirat alle vorliegenden Informationen bereits zur Verfügung gestellt. "Der einzige inhaltliche Austausch der vergangenen Tage beinhaltete, dass wir in laufenden Verhandlungen sind und es bislang keine neuen Informationen gibt. Die eingeleiteten gerichtlichen Schritte waren von Anfang an überflüssig", so Nottbrock weiter. André Vielstädte, Unternehmenssprecher von Tönnies, ruft derweil alle Beteiligten dazu auf, im Sinne des Unternehmens zu agieren und keine persönlichen Interessen in die Öffentlichkeit zu tragen.

Vom Tisch ist der Streit um die Expansion ins Reich der Mitte damit allerdings nicht. Robert ist seinen Onkel nach Bekanntwerden des Vorhabens Ende September hart angegangen: "Ich mache mir mittlerweile Sorgen, dass Clemens Tönnies an Größenwahn erkrankt sein könnte. Es gibt bezüglich des Vorhabens in China nur zwei Schlussfolgerungen: Entweder wurden der Beirat und ich getäuscht, da die geplante Investition eine Größenordnung hat, die der Zustimmung bedarf. Oder mein Mitgesellschafter hat wie seinerzeit beim angeblichen Bau eines Schlacht- und Zerlegebetriebs in Russland der Öffentlichkeit einen Bären aufgebunden."

Schlachthaus für zwei Millionen Schweine in der Region Sichuan

Clemens Tönnies will gemeinsam mit der chinesischen Dekon Group einen Schlacht- und Zerlegebetrieb in der Region Sichuan aufbauen. Die Bauarbeiten sollen 2020 beginnen.

In einem ersten Schritt sollen vor Ort 2 Millionen Schweine geschlachtet werden. Sollte das Vorhaben glücken, wäre es ein Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. Doch Robert Tönnies bleibt unnachgiebig und forciert erneut den Verkauf des Konzerns: "Dieses Vorgehen fügt sich klar in die Strategie meines Onkels, mich zum Schnäppchenpreis aus dem Unternehmen herauszudrängen. Meiner Meinung nach ein unhaltbarer Zustand. Es wäre besser, wenn man sich endlich unter den fairen Regelungen des Einigungsvertrages trennt. Dazu ist mein Onkel leider derzeit nicht bereit."

Schlachter-Streit eskaliert: Clemens Tönnies, der Gott des Gemetzels

Bielefelder Richter mit Schlacht der Schlachter bestens vertraut

Die Richter in Bielefeld sind mit der seit Jahren schwelenden Familienfehde im Hause Tönnies bestens vertraut. Erst vor wenigen Wochen hat das Gericht über einen anderen Gefechtsschauplatz in der "Schlacht der Schlachter" entschieden. Demnach ist die Kündigung des Dienstverhältnisses des früheren Finanzvorstands Reinhard Quante nicht rechtskonform. Entsprechend hat Quante Anspruch auf Auszahlung seines noch bis November 2020 laufenden Arbeitspapieres. Die Kosten des Verfahrens muss der Konzern tragen.

Clemens Tönnies durfte den von Robert Tönnies bestellten Manager jedoch vom Amt des Geschäftsführers abberufen, da Quante nach Auffassung des Gerichts davon ausgehen musste, dass Clemens Tönnies in der Weitergabe von Bankunterlagen des Konzerns an Robert Tönnies einen Vertrauensbruch sehen würde.

"Damit ist wieder einmal klar festgestellt worden, dass Clemens Tönnies gegen unseren Einigungsvertrag verstoßen hat", sagte Robert Tönnies. "Auch dieses Thema zeigt, dass es am vernünftigsten wäre, wenn sich die Gesellschafter trennen. Leider ist mein Onkel dazu nach wie vor nicht bereit."

Clemens Tönnies, der mit dem Quante-Urteil ebenfalls einen Teilerfolg zu verbuchen hat, äußerte sich über einen Sprecher: "In diesem arbeitsrechtlichen Prozess handelt es sich um eine klassische Auseinandersetzung zwischen einem Unternehmen und einem Mitarbeiter. Wir sind daher im Unternehmen über die Äußerungen des Gesellschafters Robert Tönnies sehr verwundert, diesen Arbeitsprozess für den persönlichen Zweck zu instrumentalisieren", so der Sprecher der Tönnies Holding. "Wir appellieren an Herrn Robert Tönnies, sich in der Tradition der Familie Tönnies der Sache des Unternehmens zu widmen, so wie die weiteren 16.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es jeden Tag tun."

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