07.11.2019 
Arbeitsmarkt der Zukunft

Wieso jetzt die beste Zeit für eine Weiterbildung ist

In Ihrem Unternehmen wird jeder Stein umgedreht? Ihre Chefin spricht nur noch von Digitalisierung, Big Data und neuen Prozessen? Keine Panik. Wer sich weiterbildet, ist für die neuen Herausforderungen bestens gewappnet.

Im Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie kennt Alexander Bart jeden Winkel. Er und seine Kolleginnen und Kollegen bauten das Modell des Konzertsaals, an dem sich der japanische Akustik-Designer Yasuhisa Toyota orientierte. Damals war Bart noch im Produktionsbereich der bayerischen Schreinerei Ackermann tätig. Von 2015 bis 2017 machte er eine Weiterbildung zum technischen Produktdesigner. Ein Schritt, über den er nachhaltig froh ist. "Die Weiterbildung hat mein Berufsleben bereichert. Heute arbeite ich nicht mehr nur körperlich, sondern überwiegend mit dem Kopf", sagt Bart. Dank digitaler Technologien hat das Unternehmen Projekte und Kunden auf der ganzen Welt.

Für den Geschäftsführer Frank Ackermann ist Weiterbildung elementarer Bestandteil des Berufsalltags. "In internen Wissenstandems teilen Kolleginnen und Kollegen ihr Know-how untereinander, externe Fachleute geben Schulungen zu speziellen Planungs- und Konstruktionsprogrammen, einmal wöchentlich findet nach Feierabend ein freiwilliger Englischkurs statt. Aktuell arbeiten wir an einem Firmen-Wiki, in dem unser Fachwissen systematisch und für alle zugänglich digitalisiert wird", erzählt der Unternehmer.

Digitalisierung? Kein Grund zur Panik

Der Umbruch ist in vollem Gange - und sorgt mitunter für Verunsicherung unter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Wird ein Roboter oder eine künstliche Intelligenz meinen Job übernehmen? Reicht meine Qualifikation aus, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden?

Die erste gute Nachricht: Die Angst, dass digitale Technologien Arbeitsplätze kosten könnten, halten viele Expertinnen und Experten für unbegründet. Die Arbeitswissenschaftlerinnen Katharina Dengler und Britta Matthes vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ermitteln in regelmäßigen Abständen das Substituierbarkeitspotenzial von Berufen. Also den Anteil der Tätigkeiten, die bereits heute von Computern erledigt werden können, und sie stellen fest: "Ein hohes Substituierbarkeitspotenzial muss nicht heißen, dass viele Menschen zukünftig durch die fortschreitende Digitalisierung aus dem Arbeitsmarkt verdrängt werden. Das Bundesarbeitsministerium geht davon aus, dass bis 2025 1,3 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, aber 2,1 Millionen neue entstehen."

"Die Arbeit wird uns nicht ausgehen, aber sie wird eine andere sein und darauf möchten wir Beschäftigte und Unternehmen mit geförderter Weiterbildung vorbereiten", erklärt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Das beste Beispiel ist die Tischlerei Ackermann: "Wir haben die einfachen und eher langweiligen Aufgaben in unserem Unternehmen wegrationalisiert und brauchen trotzdem mehr Angestellte als früher", erklärt Geschäftsführer Frank Ackermann. In den vergangenen dreißig Jahren wuchs die Firma von 20 auf heute 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben elektronisch gesteuerten Maschinen ergänzen zwei Laser und ein Fräsroboter mittlerweile die Belegschaft. Für Bart und Ackermann ist die Antwort auf einen erfolgreich gestalteten digitalen Wandel Weiterbildung.

Seit Jahresbeginn ist das Qualifizierungschancengesetz in Kraft. "Es geht darum, aus technologischem Wandel sozialen Fortschritt zu machen. Damit uns das gelingt, müssen wir vor allen Dingen auf eine gute Ausbildung und auf Weiterbildung setzen", sagt Heil. Das Gesetz und die Nationale Weiterbildungsstrategie ermöglichen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einen leichteren Zugang zu Weiterbildung.

Was Hänschen nicht lernt, lernt eben Hans!

Eine Auffassung, die auch der IAB-Arbeitsmarktforscher Thomas Kruppe teilt: "Für jede erwerbstätige Person bedeutet Weiterbildung den Erhalt und die Weiterentwicklung der eigenen Beschäftigungsfähigkeit." Das betrifft das technologische Wissen, aber auch Schlüsselqualifikationen wie Kommunikationsfähigkeit oder Selbstmanagement. Wer sich im Berufsleben weiterbildet, festigt nicht nur seine Position im aktuellen Job. Zugleich steigt auch die Chance für einen Aufstieg auf der Karriereleiter. Laut einer Studie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat eine berufliche Weiterbildung bei zwei Dritteln der Befragten positive Auswirkungen auf die berufliche Entwicklung. Dabei ist Lernen keine Frage des Alters. "Die Lernfähigkeit selbst nimmt nicht ab, allenfalls lässt die Lerngeschwindigkeit etwas nach", sagt Christian Stamov Roßnagel, Professor an der Jacobs University Bremen. Das Sprichwort "Was das Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" ist bei älteren Beschäftigten nichts anderes als ein großer Irrtum.

Für Produktdesigner Alexander Bart lag die größte Herausforderung seiner Weiterbildung darin, sich theoretisches Wissen anzueignen: "Wenn man schon lange aus der Schule raus ist, fällt einem das Büffeln schwerer. Da sind Disziplin und intensives Lernen gefragt."

Der Trend für die Zukunft ist klar: Lebens- und berufsbegleitendes Lernen macht fit für den digitalen Wandel. "Letztlich ist alles eine Frage der Einstellung", so Bart. "Wer will, kann auch noch mit vierzig eine Weiterbildung machen."

Bundesagentur für Arbeit finanziert Weiterbildung

Dank des Qualifizierungschancengesetzes übernimmt die Bundesagentur für Arbeit ganz oder teilweise die Kosten der beruflichen Weiterbildung und zahlt einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt (siehe Grafik). Wichtig: ohne Beratung keine Förderung. Eine individuelle Beratung bieten die Agentur für Arbeit beziehungsweise das Jobcenter. Erste Anlaufstelle ist die Website der Bundesagentur für Arbeit.

 
Förderung wird ausgebaut

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil stellte kürzlich das geplante „Arbeit-von-morgen-Gesetz“ vor, das auf dem Qualifizierungschancengesetz aufbaut. Es sieht unter anderem vor, die Kurzarbeit stärker zur Weiterbildung und Qualifizierung zu nutzen.

 


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