30.09.2019 
Schlachter-Fehde eskaliert wegen Expansion in China

Robert Tönnies nennt Onkel Clemens größenwahnsinnig

Von

Der Streit um Deutschlands größten Schlachtbetrieb Tönnies eskaliert. Wegen der geplanten Expansion nach China, von der Mitgesellschafter Robert Tönnies offenbar nicht in Kenntnis gesetzt wurde, attackiert der Sohn des 1994 verstorbenen Firmengründers Bernd Tönnies seinen Onkel Clemens Tönnies scharf. "Ich mache mir mittlerweile Sorgen, dass Clemens Tönnies an Größenwahn erkrankt sein könnte", sagt Robert Tönnies auf Anfrage von manager magazin.

"Es gibt bezüglich des Investitionsvorhaben in China nur zwei Schlussfolgerungen: Entweder wurden der Beirat und ich getäuscht, da die geplante Investition eine Größenordnung hat, die der Zustimmung bedarf. Die Geschäftsführung hätte in dem Fall ihre Kompetenzen weit überschritten. Oder mein Mitgesellschafter hat wie seinerzeit beim angeblichen Bau eines Schlacht- und Zerlegebetriebs in Russland der Öffentlichkeit einen Bären aufgebunden", sagte Tönnies. Robert Tönnies kündigt nun an, das Thema auf der nächsten Beiratssitzung im Oktober zu "klären". Womöglich könnte er sogar versuchen, das Vorhaben zu stoppen.

Clemens Tönnies will 500 Millionen Euro in China investieren

Clemens Tönnies hatte gestern via Lebensmittel Zeitung angekündigt, gemeinsam mit der chinesischen Dekon Group ein Schlacht- und Zerlegezentrum in der Region Sichuan aufzubauen. Dafür wollen die Partner 500 Millionen Euro investieren. Dort sollen zunächst 2 Millionen Schweine geschlachtet werden. Das Werk soll der erste Produktionsstandort der Tönnies Gruppe außerhalb Europas werden. "Wir sind stolz, gemeinsam mit unserem Partner der Dekon Group ein neues Kapitel der Unternehmensgeschichte aufzuschlagen", erklärte Clemens Tonnies am Freitag per Pressemitteilung. Nun droht das Vorhaben noch vor dem Start zu scheitern.

Schlachthof für sieben Millionen Schweine pro Jahr

Laut den Plänen von Clemens Tönnies soll zusammen mit der chinesischen Dekon Group in der Provinz Sichuan im ersten Schritt ein Schweineschlachthof mit der Kapazität für zunächst zwei Millionen Tiere entstehen. Später wollen die Partner, die jeweils 50 Prozent halten, an dem Standort im Jahr sieben Millionen Schweine schlachten. Baubeginn soll im Jahr 2020 sein. Nach Informationen der "Lebensmittel Zeitung" ist Dekon auf den Agrarbereich spezialisiert und betreibt bereits in China Mastanlagen für Schweine und Geflügel.


Lesen Sie auch:
Clemens Tönnies - der Gott des Gemetzels

Tönnies gegen Tönnies: Der Schlachterstreit erreicht den Promi-Beirat

Großschlachter Tönnies bittet um Entschuldigung für rassistische Äußerungen


Die Tönnies-Gruppe wird von Clemens Tönnies (63) geführt, seines Zeichens auch Aufsichtsratschef des Fußballklubs Schalke 04 - allerdings derzeit mit ruhendem Mandat. Weltweit arbeiten rund 16.000 Mitarbeitern für Tönnies, 2018 lag der Umsatz mit dem Schlachten von Schweinen und Rindern bei 6,65 Milliarden Euro.

In Deutschland stagniert das Geschäft seit Jahren, die Margen sinken. Zuwächse sind nur noch durch Zukäufe möglich. 2015 übernahm Tönnies daher das dänische Unternehmen Tican und weitete damit sein Geschäft auf Dänemark, Großbritannien und Polen aus. Im Hintergrund schwelt jedoch ein immer zerstörerischer werdender Gesellschafterstreit zwischen Clemens und seinem Neffen Robert (41) um das Unternehmen.

Gott des Gemetzels: Lesen Sie im manager magazin, worum es bei der Schlachter-Fehde geht.

Mehr zum Thema